Donnerstag, 21. September 2017

Von Käfern und Gläsern

Habt ihr das früher auch manchmal gemacht? Einen Käfer in einem Glas gefangen, zugesehen, wie er versucht, nach oben zu krabbeln und dann kurz vorher wieder mit den Fingern nach unten geschnippt, damit er wieder von vorne anfängt? 
So fühle ich mich gerade. Immer, wenn ich das Gefühl habe, ich komme endlich oben an, schnippt mich die Depression wieder nach unten. Und ich fange von neuem an, mich nach oben zu arbeiten. 

Und auch wenn „unten“ nicht mehr so tief ist wie vor fast drei Jahren, es fühlt sich noch immer beschissen an, unten zu sein. Unten, wo es dunkel ist und alles Überwindung kostet. Und auch, wenn ich grade ständig für mich selbst sorge und sogar zwischendurch lachen kann, ich spüre, dass es mir nicht wirklich gut geht. Meine Gedanken versuchen mich runterzuziehen, sobald ich nicht auf sie achte. Beschäftigen sich wieder mit längst vergangenen Dingen, führen Gespräche, die es nie geben wird und sagen mir, wie schlecht ich bin.

Dieses ständige Abstrampeln gegen die Depression macht mich müde. Und mürbe. Manchmal sitze ich da und frage mich, ob es nicht einfacher wäre, der Depression wieder nachzugeben. Keine Anstrengung mehr. Die Gedanken das denken lassen, was sie eben denken wollen. Nicht mehr arbeiten gehen, einfach nur liegen bleiben und Tage in einem dumpfen Schwebezustand verbringen. Manchmal ist es zu verlockend.
Und doch mache ich weiter. Mache mich erneut auf, die Wände des Lochs hochzuklettern, in das ich gefallen bin. Weil ich im Sommer gesehen habe, dass es sich lohnt, dort oben zu sein. Da ist es hell, fröhlich und voller lebenswerter Momente. 

Ich will nicht aufgeben. Und darum werde ich mich wieder und wieder aufrappeln. Und ich hoffe auch noch immer auf den Moment, in dem die Depression mich frei lässt. So wie ich damals den Käfer nach ein paar Versuchen wieder aus dem Glas frei gelassen habe. Ich warte auf den Moment, an dem ich meine Flügel wieder ausbreiten und davonfliegen kann. Und den Kampf um den Weg nach oben hinter mir lasse.

Alles Liebe
Anni